Interview

Name: Dagmar Geisler
Geburtstag: 30. September 1958
Geburtsort: Siegen
Wohnort: Grafing bei München
Preise:
Die „Silberne Feder“ des deutschen Ärztinnenbundes für „Mein Körper gehört mir“
2. Preis der Stiftung Buchkunst 2003 für :“ Wandas geheime Notizen“
 
 
Frage 1
Warum machen Sie Kinderbücher? Wie sind Sie zur Illustration gekommen?
 
Ich mache Kinderbücher, weil ich es seit meiner Kindheit wollte. Habe immer viel gezeichnet und in der Grundschule mit Leidenschaft Aufsätze geschrieben. Und ich liebe die Kinderliteratur. Als man mir sagte, dass ich wenn ich groß bin wahrscheinlich keine Kinderbücher mehr lesen möchte, habe ich das keine Sekunde geglaubt. Damals war ich ungefähr neun Jahre alt.
 
 
Frage 2
Wie sah Ihre Ausbildung aus?
 
Ich habe ein Wiesbaden an der Fachhochschule ein Graphik-Design-Studium absolviert. Dort habe ich gezeichnet, gezeichnet, gezeichnet. Meinen Berufswunsch Kinderbuchillustratorin hat man dort eher belächelt. Was die Kinderbuchillustration angeht, bin ich wohl trotz des Studiums, Autodidaktin.
 
 
Frage 3
Wie würden Sie Ihre Technik beschreiben? Wie gehen Sie vor beim Illustrieren?
 
Hm, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zunächst lasse ich mich auf den Text ein. Versuche zu spüren in welcher Technik, der denn nun illustriert werden will. Das gilt, glaube ich, auch für meine eigenen Texte. Es ist dann alles möglich von der Strichzeichnung, über Aquarell bis zu Acrylfarben. Am liebsten ist mir aber die wilde Mischung aus allem einschließlich Collage. Außerdem bin ich eine manische Zeichnerin. Mein Skizzenbuch habe ich immer in der Tasche. Das beeinflusst meinen Stil wahrscheinlich auch.
 
 
Frage 4
Texten Sie auch selbst?
 
Seit einigen Jahren texte ich auch selbst für Kinderbücher. Eine weitere Leidenschaft von mir sind Cartoons, da habe ich die Texte allerdings schon immer selber gemacht.
 
 
Frage 5
Muss ein Bilderbuch auch ohne Text funktionieren?
 
Nicht unbedingt. Aber Text und Bild müssen sich gut ergänzen. Ich denke allerdings schon, dass es Spaß machen muss, die Bilder zu betrachten auch wenn man den Text nicht kennt.
 
 
Frage 6
Welches ist Ihrer Meinung nach Ihr schönstes Bilderbuch?
 
Diese Frage kann ich nicht beantworten. Obwohl ich schon Lieblinge habe. Wanda zum Beispiel oder den „Badewannenkapitän“ oder „Ich trödel doch nicht sagt, Max, die ABC-Reise“ und „Ohren, Nase, Bauch“.
 
 
Frage 7
Welche Zeichner haben Sie beeinflusst?
 
Als ich ein Kind war, gab es drei Bücher, die ich mir immer wieder angeschaut habe: Die zwei Bände „Wilhelm Busch“ von Rolf Hochhuth bei Bertelsmann herausgegeben und das Theodor Storm Hausbuch mit Zeichnungen von Adolph Menzel, ebenfalls von Rolf Hochhuth herausgegeben, der damals Lektor bei Bertelsmann war, glaube ich. Diese drei Bücher haben mich wohl am nachhaltigsten beeindruckt. Später dann Tomi Ungerer, Tove Jansson, Ralph Steadman, Maurice Sendak. Eigentlich begeistern mich gute Zeichnerinnen und Zeichner immer. Ich nehme an, was mich begeistert, beeinflusst mich auch irgendwo.
 
 
Frage 8
Haben Sie Kinder?
 
Einen 13jährigen Sohn. Er heißt Jonas.
 
 
Frage 9
Denken Sie beim Illustrieren an den Adressaten, die Kinder?
 
Ja und nein. Natürlich denke ich, wenn ich zum Beispiel ein Bilderbuch für dreijährige mache daran, wie zum Beispiel mein Sohn mit drei Jahren war. Aber eigentlich ist es wie bei den meisten anderen auch. Man zeichnet für das Kind in sich selbst.
 
 
Frage 10
Was muss ein Kinderbuch haben, damit es Kinder mögen?
 
Es muss mit Liebe zur Sache gemacht sein.
 
 
Frage 11
Sollten auch Erwachsene Kinderbücher lesen?
 
Wieso sollten? Es würde ihnen doch einiges entgehen.
 
 
Frage 12
Warum sollten Kinder Bilderbücher anschauen?
 
Ohne Bilderbücher wäre so ein Kinderleben doch um einiges ärmer. Das Bücher anschauen macht glücklicher als Fernsehen, finde ich.
 
 
Frage 13
Wenn Sie in einem Satz das Schöne an Ihrem Job beschreiben müssten, was würden Sie sagen?
 
Das zeichnen und malen dürfen. Das, die Phantasie spazieren führen dürfen.
 
 
Frage 14
Betrachten Sie Kinderbuchillustration eher als Kunst oder als Handwerk? Warum?
 
Als beides. Ohne Handwerk geht es nicht. Und ohne Kunst, damit meine ich die Dinge immer wieder neu betrachten zu wollen, wird es bald ein bisschen öde und blutarm.
 
 
Frage 15
Wie würden Sie den aktuellen Kinderbuchmarkt beurteilen? Geht er zum Konventionellen oder ist er offen für neue Bildwelten?
 
Der aktuelle Kinderbuchmarkt macht mich bis auf einige Ausnahmen zur Zeit traurig. Da wird zu sehr auf das schnelle Geld gesetzt, auf Verkäuflichkeit geachtet. Wobei man da schnell in die Schublade greift und altbewährtes immer wieder runternudelt. Dadurch entsteht eine Langeweile, die meiner Meinung nach irgendwann auch auf die Käufer überspringt. Und dann ist es mit der Verkäuflichkeit doch sowieso Essig. Deshalb fände ich mehr Mut, mehr Witz absolut notwendig. Eine gute Idee wäre auch, wirklich Altbewährtes auf dem Markt zu lassen und nicht durch schlechte Kopien zu ersetzen, nur um dadurch eine Neuerscheinung präsentieren zu können. Die Energie könnte man dann in wirkliche Neuentwicklungen stecken. Es ist heute ein Glück mit einem Verlag zusammenzuarbeiten, der auch mal was wagt, wie z.B. dtv-junior.